Jugendtrauergruppe

Der Sportunfall der Schwester, der Tod der Mutter durch Krebs, der Suizid des Bruders – das sind Erfahrungen, die das Weltbild stark ins Wanken bringen. Sterben und Tod als natürlichen Abschluss des Lebens zu akzeptieren fällt Erwachsenen schon sehr schwer. Viel schwieriger ist es für junge Menschen.
Der Verein für Trauerarbeit bietet eine Begleitung für trauernde Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren an.

In der Gemeinschaft von Gleichbetroffenen dürfen die Jugendlichen ihre Gefühle der Trauer zulassen. Hier können sie Ärger, Angst und Wut, Einsamkeit, Leere und Enttäuschung zeigen. In der Familie oder bei Freunden ist das ja oft nur eingeschränkt möglich. Wenn der Weg der Trauer in der Gruppe gemeinsam gegangen werden konnte, wird die Erinnerung an den Verstorbenen nicht mehr so wehtun. Sie wird dann zu einem Teil des Lebensschatzes.

Intensiv-Angebot: Segeltörn

 
„Auf zu neuen Ufern!“
Segeltörn für abschiednehmende und trauernde Jugendliche 

Wann? Von Freitag, dem 06.08 bis Freitag, dem 13.08.2021
Wo? Auf dem Ijsselmeer und Wattenmeer nahe der niederländischen Küste


Warum richtet sich das Angebot an Jugendliche?
Der Segeltörn wird für Jugendliche zwischen ca. 12 und 22 Jahren veranstaltet. Junge Menschen befinden sich in einer Zeit, die von Umbruch und Entwicklung geprägt ist – Trauer ist im Jugendalter daher oft besonders intensiv. Das Chaos der Gefühle kann sich bei trauernden Jugendlichen besonders verstärkt zeigen: Angst, Wut, Schock, Schuldgefühle oder Scham tauchen immer wieder auf und das Weltbild und die eigene Identität geraten ins Wanken. Besonders wichtig für trauernde Jugendliche sind daher, neben der Möglichkeit des Rückzugs, ebenfalls der Austausch und das Erleben der gegenseitigen Stütze im Miteinander. Die Trauer kann in Erzählgelegenheiten, aber auch im Kreativen oder in körperlichen Tätigkeiten Ausdruck und Ausgleich finden. Vielen Jugendlichen ist bei solchen Aktivitäten die Gewissheit, nicht alleine zu sein, eine entscheidende Hilfestellung in der Trauerbewältigung.
 
Warum handelt es sich gerade um einen Segeltörn?
Segeln ist eine Aktivität, die auf vielfältige Weise den Prozess der Trauerverarbeitung unterstützen kann. Ein gemeinsamer Segeltörn über mehrere Tage schafft alleine durch die zeitlichen und räumlichen Faktoren ein Gefühl des Miteinanders und birgt vielfältige Möglichkeiten zum Austausch. Das Segeln, als gemeinsames Erleben von sportlicher Aktivität, fordert die Zusammenarbeit und fördert den Teamgeist. Es schweißt zusammen und zeigt den Jugendlichen, dass sie durch gemeinsame Initiative sowohl Kontrolle und Verantwortung übernehmen als auch Orientierung, Lenkung und Neuausrichtung bewirken können. Diese Erkenntnisse lassen sich auf den Prozess der eigenen Trauerbewältigung übertragen. Die Verbundenheit mit der Natur während des Segeltörns ermöglicht nicht zuletzt das körperliche Erleben des ‚Ins-Wanken-Geratens‘ auf dem Meer, das vielen Jugendlichen in ihrem Trauerprozess nicht fremd sein dürfte. Doch sowohl der Blick auf den steten und unerschütterlichen Horizont als auch der feste Griff um das Steuer des Segelbootes und im Übertragenen auch um das Steuer bei der Reise durch die eigene Trauerbewältigung können das Wanken ertragbar machen. Auf dem Segeltörn ist gleichermaßen Raum für Trauer, Mut und Stärke.
 
Wie verläuft die Route?
Von der geselligen Hafenstadt Harlingen aus startet der Segeltörn durch die Gewässer nahe der niederländischen Küste. Beim Ablegen können die Jugendlichen einen Blick auf die Statue des kleinen, mutigen Jungen werfen, der laut Legende seinen Finger in den Deich steckte und somit eine große Überschwemmung der Gemeinde verhinderte. Je nach Wetterlage können die westfriesischen Inseln Terschelling und Vlieland angesteuert und besucht werden. Unterwegs auf dem Ijsselmeer und auf dem niederländischen Wattenmeer wird die Jugendlichen, mit etwas Glück, der ein oder andere Seehund von einer Sandbank aus begrüßen. Wenn es die Wetterbedingungen zulassen, wird es ebenfalls die Möglichkeit geben, im Wattenmeer trockenzufallen – also auf den Grund aufzusetzen. 
 
Wie ist das Segelboot ausgestattet?
Die Jugendgruppe wird mit dem 25 mal 5 Meter langen Plattbodenschiff Marinde in See stechen. Das Charterschiff kann die Jugendlichen in 2er- bis 6er-Kabinen inklusive Küche und sanitären Anlagen beherbergen. Die Gruppe wird sich und die Crew selbst mit Mahlzeiten versorgen. Das Schiff ist mit einem Aufenthaltsraum ausgestattet, der zum abendlichen Beisammensitzen einlädt. Bei Tag hingegen kann an Deck der rustikalen Marinde die weite Natur und der Blick in die Ferne genossen werden.  
 
Was ist der Hintergrund des Angebots?
Der Segeltörn ist ein Angebot des Zentrums für Kinder- und Jugendtrauerarbeit Witten, welches zum Verein für Trauerarbeit Hattingen e.V. gehört. Ausgerichtet wird der Trip über das NAUTIC-TOURS Charterbüro. Es haben sich bereits genügend Teilnehmende angemeldet – alle 12 Plätze für Leitung und Teilnehmende sind belegt. Trauerbegleiterin Annette Wagner ist dankbar für die Spendengelder, welche die Fahrt zum Teil möglich gemacht haben und freut sich riesig darauf, in See zu stechen. Der Segeltörn ist eine Veranstaltung im Rahmen der Jugendtrauerbegleitung des Zentrums. Die offene Jugendtrauergruppe richtet sich an junge Menschen, die Abschied nehmen und/oder trauern. Die Jugendlichen treffen sich an einzelnen Wochenendterminen, jeweils samstags von 11:00 bis 16:00 Uhr. Aktuelle Treffen können auf der Website des Zentrums eingesehen oder bei den Trauerbegleiterinnen erfragt werden. Auch ein Intensiv-Angebot wie der Segeltörn soll in Zukunft erneut stattfinden. Jetzt freuen sich die (ehrenamtlichen) Mitarbeiterinnen der Jugendgruppe des Zentrums Catrin Millhoff, Julia Knoch, Havva Çalar und Annette Wagner aber erst einmal, den lang geplanten Segeltörn aufgrund fallender Corona-Infektionszahlen in diesem Sommer endlich realisieren zu können.
 

 

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